Open Letter | Oyoun must stay
10.  Nov., 2023

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 -------- ENGLISH BELOW --------

Oyoun muss bleiben! 

Seit dem Kulturausschuss vom 06.11.2023 ist es offiziell: der Berliner Kultursenator Joe Chialo (CDU) prüft zuwendungsrechtliche Maßnahmen, um die Förderung für Oyoun einzustellen. Die AfD hat sich dafür bedankt.

Wir fordern den Berliner Senat auf, die finanzielle Förderung des landeseigenen Kulturstandortes in der Lucy-Lameck-Straße 32 in Berlin-Neukölln fortzusetzen. 

Seit 2020 trägt das Haus den Namen „Oyoun” und beschäftigt heute 32, mehrheitlich marginalisierte, Arbeitnehmer*innen und Fellows. Das Oyoun ist ein bedeutender Ort der intersektionalen Kunst- und Kulturszene, der v.a. queer*feministische, migrantische und dekoloniale Perspektiven zentriert und für seine Arbeit bereits mehrfach international ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2023 gab es 5872 Raumanfragen und 580 Veranstaltungen an 327 Veranstaltungstagen mit ca. 82.100 Besuchen. 

Das Oyoun ist gerade aus dem kosmopolitischen Berlin nicht wegzudenken –  doch seine Existenz ist akut gefährdet.

Der Grund für das drohende Aus von Oyoun ist eine Veranstaltung, die am 04.11.2023 in den Räumen des Oyoun stattfand: eine „Trauer- und Hoffnungsfeier“ der Organisation „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“, die deutsche Partnerorganisation der internationalen Menschenrechtsorganisation „Jewish Voice for Peace”. Der Verein sieht seine Aufgabe darin, „über die Notwendigkeit und Möglichkeit eines gerechten Friedens zwischen Palästina und Israel zu informieren” und sich „aktiv zur Verwirklichung eines dauerhaften und für beide Nationen lebensfähigen Friedens” einzusetzen. 2019 wurde der Verein mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet.

Oyoun hatte die Aufforderung des Berliner Senats, die Veranstaltung abzusagen, zurückgewiesen und die Entscheidung in einem Statement erläutert.

Die Absage der Förderung würde das Ende der Meinungsfreiheit und der Kunstfreiheit in Deutschland markieren.

Am 22.10.2023 unterzeichneten 100 in Deutschland beheimatete jüdische Künstler*innen, Schrift­stel­le­r*in­nen und Wis­sen­schaft­le­r*in­nen einen offenen Brief „Wir befürchten, dass mit der derzeitigen Unterdrückung der freien Meinungsäußerung die Atmosphäre in Deutschland gefährlicher geworden ist – für Juden und Muslime gleichermaßen – als jemals zuvor in der jüngeren Geschichte des Landes. Wir verurteilen diese in unserem Namen begangenen Taten. Wir fordern Deutschland auf, sich an seine eigenen Verpflichtungen zur freien Meinungsäußerung und zum Versammlungsrecht zu halten, wie sie im Grundgesetz verankert sind.” 

Alle diese Menschen sollten im Rahmen der Meinungsfreiheit die Möglichkeit haben, gemeinsam und öffentlich zu sprechen, zu trauern und miteinander in Austausch zu treten. Es wirkt zynisch, wenn jüdische Personen und Gruppen von Deutschen Politiker*innen und Medien in die Nähe des Antisemitismus gerückt werden oder sogar als antisemitisch diffamiert werden.

Am 31.10.2023 jedoch publizierte die Grüne Fraktion eine Pressemitteilung unter dem Titel „Förderung von Oyoun muss beendet werden”, in der die Abgeordnete Susanna Kahlefeld dem Kulturzentrum Oyoun vorwirft, antisemitisch gehandelt zu haben. Diese Vorwürfe erachtet das Oyoun als unbegründet und haltlos und weist diese ausdrücklich zurück. Bereits am 01.11.2023 kündigte der Kultursenator in der Berliner Zeitung an, die finanzielle Förderung von Oyoun „grundsätzlich zu überprüfen (...) schnell zu einem Ergebnis zu kommen und zu handeln” - und das nachdem der Berliner Senat das Gespräch mit Oyoun sechs Mal ablehnte. 

Die Absage der Förderung bedeutet die Schließung einer Organisation, die aktive Antidiskriminierungsarbeit und Gesellschaftskritik praktiziert sowie zur religiösen, kulturellen, ethnischen und politischen Pluralität Berlins beiträgt. 

Mit der Meinungs- und der Kunstfreiheit wird zugleich die Internationalität, die Weltoffenheit des kulturellen Lebens in Deutschland, verteidigt. Es ist die Aufgabe und Pflicht öffentlich geförderter Kulturorte, Meinungsvielfalt abzubilden. Die Demokratie braucht Orte, in denen marginalisierte, intersektionale, pluralistische Perspektiven in Gesellschaft, Kunst und Kultur präsentiert und diskutiert werden. 

Eine Politik der Repression kritischer Stimmen fügt der Meinungsfreiheit und damit der Demokratie in Deutschland schweren Schaden zu. Berlin braucht Kulturangebote, die sich den Themen und Sorgen ihrer unmittelbaren Nachbarschaft widmen. 

Wir fordern den Senat dazu auf, Oyoun weiterhin Mittel zur Verfügung zu stellen und dadurch migrantisches, queer*feministisches und jüdisches Leben in Deutschland zu schützen.

Oyoun muss bleiben. Gerade in Deutschland. Gerade jetzt.

Weitere Links:

Verbote sind hier Fehl am Platz (TAZ) // Über die aktuellen Situation um Oyoun (ND) // (K)ein Raum für Diskurs (TAZ) // Repression gegen Kulturzentrum (JW) //  Kunstfreiheit in Gefahr (FR) // Ein Verein eigensinniger Juden (Berliner Zeitung) // Gutachten Prof. Dr. Möllers (BKM)

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Oyoun must stay! 

Since the Cultural Committee (Kulturausschuss) meeting on 6 November 2023, it is official: Berlin's Senator for Culture Joe Chialo (CDU) is examining measures under subsidy law to discontinue funding for Oyoun. The far-right AfD has expressed its gratitude.

We call on the Berlin Senate to continue funding the state-owned cultural centre at Lucy-Lameck-Straße 32 in Berlin-Neukölln.

Since 2020, this venue has been called "Oyoun" and today employs 32, mostly marginalised, staff and fellows. Oyoun is an important venue in the intersectional art and culture scene, which primarily focuses on queer*feminist, migrant and decolonial perspectives and has already received several international awards for its work. In 2023, there were 5,872 requests to use the space, and 580 events took place over 327 days with approx. 82,100 visitors..

It is impossible to imagine cosmopolitan Berlin without Oyoun - but its existence is acutely under threat.

The impending closure of Oyoun was provoked by an event that took place on 4 November 2023 on the premises of Oyoun: an evening of "mourning and hope" by the organisation Jewish Voice for a Just Peace in the Middle East, the German section of the international umbrella group European Jews for a Just Peace. The association is dedicated to "informing about the necessity and possibility of a just peace between Palestine and Israel" and "actively working towards the realisation of a lasting peace that is viable for both nations". In 2019, the organisation was awarded the Göttingen Peace Prize.

Oyoun had rejected the Berlin Senate's request to cancel the event and explained its decision in a statement.

The cancellation of Oyoun’s funding would mark the end of freedom of speech and artistic freedom in Germany.

On 22 October 2023, 100 Jewish artists, writers and academics based in Germany signed an open letter "As our Arab and Muslim neighbours are beaten and silenced, we fear the atmosphere in Germany has become more dangerous—for Jews and Muslims alike—than at any time in the nation’s recent history. We condemn these acts committed in our names. We further call on Germany to adhere to its own commitments to free expression and the right to assembly as enshrined in its Basic Law."

All these people should have the opportunity, within the framework of freedom of expression, to speak together and publicly, to mourn and enter into dialogue with one another. It seems ironic when Jewish people and groups are labelled or even defamed as anti-Semitic by German politicians and media.

However, on 31 October 2023, the Green parliamentary group published a press release entitled "Funding for Oyoun must be ended (Förderung von Oyoun muss beendet werden)", in which MP Susanna Kahlefeld accuses the cultural centre Oyoun of acting in an antisemitic manner. Oyoun considers these accusations groundless and explicitly rejects them. Already on 1 November 2023, the Senator for Culture announced in the Berliner Zeitung that he would "fundamentally review the financial support of Oyoun (...) to quickly come to a conclusion and take action" , after the Berlin Senate refused to talk to Oyoun six times.

The cancellation of funding means the end of an organisation that actively practises anti-discrimination and social criticism and contributes to Berlin's religious, cultural, ethnic and political plurality.

Freedom of expression and artistic freedom also uphold the internationalism and cosmopolitanism of cultural life in Germany. It is the task and duty of publicly funded cultural venues to reflect diversity of opinions. Democracy needs places where marginalised, intersectional, pluralistic perspectives are presented and discussed in society, art and culture.

A policy of repressing critical voices causes serious damage to freedom of expression and thus to democracy in Germany. Berlin needs cultural spaces that are dedicated to the issues and concerns of its immediate neighbourhood.

We call on the Senate to grant further funding to Oyoun and protect migrant, queer*feminist and Jewish life in Germany.

Oyoun must stay. Especially in Germany. Especially now.

Further links (German)

Verbote sind hier Fehl am Platz (TAZ) // Über die aktuellen Situation um Oyoun (ND) // (K)ein Raum für Diskurs (TAZ) // Kunstfreiheit in Gefahr (FR) //  Über die Veranstaltung vom 04.11. (Berliner Zeitung) // Gutachten Prof. Dr. Möllers (BKM)


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